Person-zentrierte Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz

In der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz wächst zunehmend das Anliegen, Pflege stärker Person-zentriert, statt Aufgaben- und Funktion-zentriert auszurichten. Mit Person-zentrierter Haltung in der Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz wird auch psychischen / emotionalen Bedürfnissen entsprochen.
Die Demenz nicht wegmachen wollen, sondern mit ihr leben
Das Ergebnis Person-zentrierter Pflege ist, mit Demenz zu leben, den Menschen mit Demenz in Wertschätzung und Achtung zu begegnen. Es heisst, die psychischen Bedürfnisse nach Geborgenheit und Wohlbehagen, nach Identität, Bindung, Betätigung und Einbeziehung zu berücksichtigen. Wir versuchen, die Perspektive der Person mit Demenz einzunehmen und die Welt aus ihrem Blickwinkel zu betrachten.
Herausforderndes Verhalten von Menschen mit Demenz kann so als Kontaktaufnahme verstanden werden, als Versuch, sich mitzuteilen. Es wird möglich, die Hintergründe dafür zu verstehen, einzuordnen und dem Menschen mit Demenz achtsam und annehmend zu begegnen.
Person-sein ist:
Stand oder Status, der dem einzelnen Menschen im Kontext von Beziehung und sozialem Sein von anderen verliehen wird. Er impliziert Anerkennung, Respekt und Vertrauen‘(Tom Kitwood, 1997).
Pflege- und Betreuungsfachpersonen, welche das Person-sein aufrechterhalten und den Menschen mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellen, unterstützen in dieser menschenwürdigen Haltung eine Lebensqualität mit der Krankheit Demenz. Sie sichern ein Leben in Würde.
Wenn den von Kitwood benannten Bedürfnissen entsprochen wird, mündet das in das allumfassende Bedürfnis nach Liebe: das bedingungslose, nicht wertende Annehmen der Person, ohne die Erwartung einer Gegenleistung.
Alters- und Pflegeheime, Wohngruppen und Tageseinrichtungen für Menschen mit Demenz haben damit einen klaren Auftrag, der sich vom Akutspital grundsätzlich abgrenzt. Leider empfinden sich Alters- und Pflegeheime aber noch immer als ‘die kleine Schwester’ des Akutspitals oder es wird von den Entscheidungsträgern so zugewiesen. In den Eingangshallen der Institutionen hängen dann die schönen Hochglanz-Zertiftikate über eine vorbildlich geführte Institution. Diese Zertifikate sagen aber nichts aus über das Wohlbefinden der Menschen mit Demenz.
Demenz und Pflege von Menschen mit Demenz ist eine eigene Fachrichtung und soll nun endlich als das anerkannt werden.
Menschen mit Demenz pflegen kann man nicht ‘einfach so’. Es braucht mehr als ein grosses Herz und den berühmt-berüchtigten gesunden Menschenverstand.
Person-zentrierte Pflege heisst:
  • Den Wert von Menschen mit Demenz geltend machen und sie als vollgültiges Mitglied der Gesellschaft anerkennen
  • Menschen mit Demenz als Individuen behandeln
  • Die Perspektive der Person mit Demenz bevorzugt berücksichtigen
  • Eine unterstützende Sozialpsychologie bereitstellen
Das Personal
Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz ist eine der anspruchsvollsten Aufgaben, die diese Gesellschaft zu vergeben hat. Die Pflegenden brauchen entsprechende Schulungen und Support, mit Transfer in den Alltag, z.Bsp. mittels Thementräger/innen, regelmässigen Fach-Inputs, Fallbesprechungen und gelebten Methoden zur Teamentwicklung.
Heute sind wir leider ziemlich weit entfernt davon, teilweise sind nicht einmal die grundlegenden Basics der Demenz bekannt.
Wir haben viel zu tun – packen wir’s an!